Wenn ein an sich harmloser Stoff plötzlich dazu führt, dass dein Immunsystem verrückt spielt, wenn ein Weizenbrötchen plötzlich tabu ist und der Blick auf die Speisekarte nicht nur aus reinem Interesse geschieht, sondern zur Notwendigkeit wird, dann ist Zöliakie für dich kein Fremdwort.

Im Folgenden wird das Krankheitsbild näher erläutert und du erfährst, wie sich die Krankheit erkennen und behandeln lässt.

Was ist Zöliakie?

Bei einer Zöliakie liegt eine Entzündung des Dünndarms vor. Auslöser dieses Prozesses ist das Immunsystem.

Die Immunabwehr spielt falsch und hält das an sich harmlose Klebereiweiß Gluten für einen gefährlichen Eindringling. Somit kommt es im Körper zu einer Überreaktion und das Immunsystem setzt alles daran, den vermeintlichen Feind unschädlich zu machen.

Mit Voranschreiten der Erkrankung wird die Dünndarmschleimhaut mehr und mehr geschädigt. Da Darmzotten verloren gehen, wird die Nahrungsaufnahme behindert. Die Symptome werden ausgelöst, sobald der Betroffene glutenhaltige Nahrungsmittel zu sich nimmt.

Dies ist nicht immer klar erkennbar, denn das Klebereiweiß versteckt sich in vielen verschiedenen Nahrungsmitteln. Vorrangig sind Getreidesorten wie Gerste, Weizen, Roggen, Grünkern oder Dinkel gluten-lastig.

In einem traditionell deutschen Frühstück mit allem möglichen an Backwaren versteckt sich meistens ein Großteil an Gluten. (Bildquelle: pixabay.com / romanov)

In einem gesunden Körper wird Gluten durch das Enzym Gewebetransglutaminase aufgespalten. Treffen Enzym und Gluten auf der Darmschleimhaut zusammen, entstehen die beschriebenen entzündlichen Reaktionen. Bleibt eine Zöliakie unerkannt, kann die Krankheit chronisch werden.

Können die Nahrungsbestandteile nicht mehr ausreichend aufgenommen und in die Blutbahn geleitet werden, kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Der Körper ist dann nicht mehr ausreichend mit Vitaminen, Nährstoffen und Mineralien versorgt.

Bin ich allergisch oder krank?

Bei dieser Frage streitet selbst die Wissenschaft. Eine Zöliakie scheint irgendwo dazwischen angesiedelt zu sein. Es sind Anzeichen für eine Allergie ebenso vorhanden, wie sich Merkmale einer Autoimmunerkrankung finden lassen.

Bei Allergien kommt es im Körper zu einer Überreaktion. Eigentlich harmlose Stoffe werden nicht vertragen und vom Körper abgestoßen. Dies ist definitiv auch mit Gluten der Fall.

Ein wesentlicher Unterschied zur einfachen Allergie besteht jedoch. Der Körper bildet auch gegen eigene Strukturen Antikörper.

Somit spricht die Wissenschaft heute gern von einer Mischform zwischen Allergie und Erkrankung des Immunsystems. Von einer Glutenallergie wird in Fachkreisen jedoch nicht gesprochen.

Wie häufig kommt eine Zöliakie vor?

Hierzu fehlen genaue Zahlen. Noch vor wenigen Jahren wurde davon ausgegangen, dass sich unter etwa 1.500 Personen ein Betroffener befindet. Diese Zahlen sind jedoch nicht mehr haltbar. Untersuchungen haben ergeben, dass man in Deutschland von einer Häufigkeit von 1:100 ausgehen muss.

Dabei ist nicht jeder von einer Zöliakie Betroffene automatisch krank. Bis zu 90 % der von einer Glutenunverträglichkeit betroffenen Menschen haben sogar keine Ahnung, was ihnen fehlt.

Die Symptome sind dabei eher untypisch oder gar nicht vorhanden. Nur bei etwa 15 % aller Betroffenen ist die Krankheit mit dem hier beschriebenen Beschwerdebild voll ausgeprägt.

An Zöliakie erkranken kannst du in jedem Lebensalter. Ein vermehrtes Auftreten einer Glutenunverträglichkeit lässt sich bei Babys und Kleinkindern im Alter von einem bis acht Jahren und bei Erwachsenen zwischen 20 und 50 Jahren beobachten.

Welche Ursachen hat Zöliakie?

Auch hier ist sich die Wissenschaft bis heute nicht wirklich sicher. Warum das Immunsystem Gluten für einen Fremdkörper hält, darüber kann nur spekuliert werden. Das Immunsystem gerät aus dem Konzept und richtet sich plötzlich gegen körpereigene Stoffe, statt seine Schutzfunktion wie gewohnt auszuüben.

Diese Kettenreaktion lässt sich nicht aufhalten und Entzündungen entstehen. Die Darmschleimhaut erscheint im Normalfall faltig aufgeworfen. Durch die Darmzotten wird die Fläche des Darms größer.

Die Nahrung kann schneller aufgenommen und ins Blut abgegeben werden. Die Zöliakie zerstört die Darmzotten und verändert somit die Struktur der Darmschleimhaut.

Für die Entstehung der Krankheit wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren verantwortlich gemacht. Dabei spielen mit Sicherheit auch genetische Veranlagungen eine Rolle.

Diesbezügliche Untersuchungen stecken aber noch in den Kinderschuhen. Laut aktuellen Forschungsergebnissen kann von einem Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und verschiedener Umwelteinflüsse ausgegangen werden.

Bei zirka 35 % der Betroffenen fand man bestimmte Eiweißstoffe im Körper. Dabei handelt es sich um die Stoffe HLA DQ2 und DQ8.

Wer diese Proteine besitzt, hat ein etwa um das Dreifache höheres Risiko, von einer Zöliakie betroffen zu sein. Es ist weiterhin beobachtet worden, dass die genetische Veranlagung bei Verwandtschaften ersten Grades häufig weitervererbt wird.

Doch das Vorhandensein einer genetischen Veranlagung reicht vermutlich nicht aus, um die Krankheit letztlich auch auszulösen. Die Gene sind auch im Körper vieler gesunder Menschen nachweisbar.

Zu den äußeren Faktoren, welche die Entstehung der Krankheit begünstigen zählen:

  • seelische Belastungen
  • körperliche Überlastung und Stress
  • vermehrter Alkoholkonsum
  • Pilzinfektionen im Körper

Besitze ich ein erhöhtes Risiko, an Zöliakie zu erkranken?

Neben den genannten Faktoren liegt auch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko vor, wenn bereits eine Autoimmunerkrankung besteht. Auch diesbezüglich sind die Forschungen längst nicht abgeschlossen.

Leidest du unter folgenden Erkrankungen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Zöliakie deutlich erhöht:

  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Entzündungen der Leber
  • Hepatitis
  • Diabetes Typ 1
  • Turner-Syndrom
  • Down-Syndrom

Welche Beschwerden verursacht eine Zöliakie?

Das Beschwerdebild zwischen Kindern und Erwachsenen zeigt deutliche Unterschiede. Dies macht es häufig nicht leicht, die Krankheit zweifelsfrei zu erkennen. Daher kommt es nicht selten vor, dass Betroffene erst nach Monaten oder gar Jahren erfahren, was ihr eigentliches Problem ist.

Bei Kindern ist das Beschwerdebild deutlicher auszumachen. Babys zeigen die ersten Auffälligkeiten, wenn im Alter von etwa vier bis fünf Monaten Babybrei zugefüttert wird und damit Getreidebestandteile in den Körper gelangen.

Zu den typischen Symptomen einer Zöliakie im Kindesalter zählen:

  • Durchfall
  • Verstopfung
  • wechselnde, übel riechende Stühle
  • aufgeblähter Bauch
  • Appetitlosigkeit
  • blasse Hautfarbe
  • Eisenmangel
  • Entwicklungsstörungen

Im Zuge dieser Beschwerden entwickeln die Kinder auch Wesensveränderungen. Ziehen sich die Kleinen zurück, werden weinerlich oder aggressiv und verlieren die Lust am Spielen, sollte dringend ein Arzt konsultiert werden.

Bei jungen Erwachsenen ergibt sich ein eindeutigeres Beschwerdebild. Personen, welche um das 40. Lebensjahr erstmals von einer Glutenunverträglichkeit betroffen sind, leiden nicht

selten unter einer ganzen Reihe an eher untypischen Beschwerden, was die Diagnosestellung erschwert.

Typische Beschwerden bei jungen Erwachsenen:

  • Durchfall
  • Blähbauch
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit
  • Hunger
  • Übelkeit

Typische Beschwerden im Erwachsenenalter:

  • Blähbauch
  • Gewichtsverlust
  • fettige Stühle
  • Knochenschmerzen

Diese Symptome können bei Erwachsenen ebenfalls auf eine Zöliakie hinweisen, werden jedoch meist nicht frühzeitig erkannt:

  • Funktionsstörungen der Schilddrüse
  • Epilepsie
  • Hautjucken
  • erhöhte Leberwerte
  • Nachtblindheit
  • Migräne
  • Depressionen
  • Unfruchtbarkeit
  • Störungen in der Motorik

Obwohl sich die Diagnosemöglichkeiten in den letzten Jahren verbessert haben und allgemein auch mehr Verständnis für die Krankheit gezeigt wird, vergehen nicht selten Jahre, bis bei Erwachsenen endgültige Diagnosen gestellt werden.

Nur selten zeigen sich die typischen Symptome. Häufig sind es nur einzelne Krankheitsanzeichen in eher schwacher Ausprägung.

Besonders häufig kommt es vor, dass sich bei Betroffenen lediglich ein Eisenmangel nachweisen lässt. Die Ursache hierfür bleibt jedoch offen. Auch bei einer Arthritis oder Osteoporose werden eher allgemeine Abnutzungserscheinungen vermutet, als eine Glutenunverträglichkeit.

Kann die Zöliakie auch ohne Beschwerden verlaufen?

Es gibt tatsächlich Krankheitsformen, welche kaum Beschwerden hervorrufen. Die Betroffenen fühlen sich zwar müde und abgeschlagen, zeigen jedoch ansonsten keine der genannten Symptome.

Dennoch sind die Antikörper im Blut nachweisbar und auch die typischen Veränderungen an der Darmschleimhaut lassen sich erkennen.

Zöliakie-Antikörper lassen sich häufig bereits nachweisen, bevor Darmzotten eingebüßt werden und sich die charakteristischen Veränderungen an der Darmschleimhaut zeigen.

Es ist in diesem Stadium noch nicht notwendig, entsprechende Maßnahmen einzuleiten, denn es muss nicht zwingend eine Zöliakie daraus entstehen.

Zusammengefasst lässt sich eine Zöliakie in mehrere Unterarten aufteilen:

Zöliakie Art Erläuterung
Eindeutige Zöliakie Es treten die typischen Beschwerden auf. Es lässt sich der Abbau der Darmzotten klar erkennen.
Symptomatische Zöliakie Die Symptome sind nur schwach ausgeprägt und eher unspezifisch. Die Diagnose ist schwer zu stellen.
subklinische Zöliakie  Ein deutlicher Abbau der Darmzotten liegt vor. Die Symptome sind jedoch kaum vorhanden
potenzielle Zöliakie  Der Betroffene hat Probleme mit der Immunabwehr. Die Darmzotten sind jedoch intakt.
latente Zöliakie  Nach einer glutenfreien Ernährungsweise bleibt die Krankheit trotz Regeneration der Darmzotten weiter bestehen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose für eine Zöliakie?

Wird ein Arzt konsultiert, wird dieser zunächst ein umfassendes Gespräch mit seinem Gegenüber führen. Bei dieser eingehenden Anamnese kommen nicht nur deine aktuellen Beschwerden, sondern auch deine Vorerkrankungen zur Sprache.

Vermutet der Arzt bereits eine Zöliakie, wirst du vielleicht einige der folgenden Fragen gestellt bekommen:

  • Haben Sie in letzter Zeit ohne Grund abgenommen?
  • Haben Sie häufig Bauchschmerzen?
  • Leiden Sie an Durchfall oder Verstopfung?
  • Haben Sie Veränderungen an Ihrem Hautbild bemerkt?
  • Leidet ein Mitglied Ihrer Familie an einer Glutenunverträglichkeit?

Ist das einführende Gespräch abgeschlossen, wird sich eine körperliche Untersuchung anschließen. Dabei wird der Arzt zunächst die Haut nach eventuellen Auffälligkeiten absuchen. Vermutlich wird er auch den Bauchraum abtasten und abhören und die Darmgeräusche überprüfen.

Durch Abtasten des Bauchraumes lassen sich auch Wasseransammlungen oder Darmverdickungen feststellen. Eine endgültige Diagnose kann jedoch erst gestellt werden, wenn sich weitere Untersuchungen angeschlossen haben.

Meist wird eine Dünndarmbiopsie durchgeführt. Der Eingriff ist harmlos und dauert nicht länger als eine Viertelstunde. Für die Biopsie muss eine Kamerasonde in den Dünndarm gelangen.

Diese wird über den Mund eingeführt und über die Speiseröhre und den Magen in den Dünndarm geleitet. Es werden verschiedene Gewebeproben entnommen, welche im Anschluss an den Eingriff untersucht werden.

Über einen Zöliakie-Test werden im Blut befindliche Antikörper bestimmt. Ist die Krankheit bereits entsprechend fortgeschritten, kann der Test auch über die Atemluft erfolgen. Auf Gewebeproben kann verzichtet werden, wenn hohe Antikörper-Werte ermittelt wurden und zusätzlich eine genetische Veranlagung vorliegt.

Meist ist die Biopsie jedoch notwendig und wird auch bei Kindern durchgeführt. Hierbei solltest du dich an erfahrene Behandler wenden. Diese nehmen den Eingriff mit speziell für Kinder entwickelten Geräten vor.

Es sind auch Selbsttests verfügbar. Darauf solltest du dich allerdings nicht verlassen. Diese Tests sind nicht zu 100 % zuverlässig.

Wie kann ich mich selbst auf Zöliakie testen?

Dies ist im Grunde ganz einfach und ähnelt einem Schwangerschaftstest. Die Test-Kits können in Apotheken rezeptfrei erworben werden und sind auch online bestellbar.

Für den Test ist statt Urin ein kleiner Blutstropfen notwendig. Der Test besteht aus einer Lanzette, mit der sich das Blut gewinnen lässt, einem Kapillarröhrchen, einem Reaktionsgefäß, einer Testlösung und einer Pipette.

Du stichst dir mit der Lanzette in den Finger, bis ein kleiner Blutstropfen sichtbar wird. Dieser wird mit dem Kapillarröhrchen aufgenommen und leicht geschüttelt.

Schon ein kleiner Tropfen Blut kann dir Auskunft über deine Glutenverträglichkeit oder eben -unverträglichkeit geben. (Bildquelle: pixabay.com / fotoblend)

Die Flüssigkeit wird anschließend mit der Pipette aufgenommen und auf das Testfeld in der mitgelieferten Testkassette gegeben. Es dauert nur wenige Minuten, bis du das Ergebnis anhand der Verfärbung ablesen kannst.

Experten raten von diesen Selbsttests ab. Die Tests erscheinen sehr ungenau und sind kein Ersatz für die bereits erwähnten Untersuchungen beim Spezialisten.

Wie kann eine Zöliakie behandelt werden?

Zunächst die schlechte Nachricht: Es gibt keine Medikamente, welche die Krankheit zum Verschwinden bringen. Wer unter einer Zöliakie leidet, muss damit leben, und zwar ein Leben lang.

Die Beschwerden lassen sich jedoch sehr gut unter Kontrolle bringen, bzw. verschwinden sogar vollständig, wenn eine konsequente glutenfreie Ernährung eingehalten wird.

Dabei musst du etwas Geduld haben. Dir wird es nicht sofort nach der notwendigen Ernährungsumstellung besser gehen. Etwa sechs Monate können vergehen, bis die Beschwerden abgeklungen sind.

Es ist dabei notwendig, sich komplett glutenfrei zu ernähren. Wer rückfällig wird oder aufgrund von Unkenntnis verstecktes Gluten zu sich nimmt, riskiert erneute Beschwerden.

Damit ist die einzig mögliche Behandlungsmethode eine komplette Umstellung der Ernährung und damit verbunden eine Angleichung der Lebensgewohnheiten.

Kam es im Rahmen einer fortgeschrittenen Zöliakie bereits zu Mangelerscheinungen, werden diese durch die Einnahme von Vitaminpräparaten und Mineralstoffen ausgeglichen. Eine weitere Medikation ist bei Zöliakie nicht angezeigt und auch nicht empfohlen.

Lässt sich Zöliakie gut behandeln?

Meist ist es ausreichend, Gluten aus dem Speiseplan zu streichen. Die akuten Symptome werden nach wenigen Tagen zurückgehen. Es gibt jedoch eine seltene Form der Krankheit. Bei den Betroffenen klingen die Beschwerden nach der Umstellung der Ernährung nicht ab.

Etwa 1,5 % aller von Zöliakie betroffenen Personen leidet unter einer refraktären Zöliakie. Wenn sich auch Monate nach der Ernährungsumstellung keine Besserung ergibt, ist von dieser Form der Zöliakie auszugehen.

Die auftretenden Beschwerden sind mit Medikamenten behandelbar. Wie sich diese seltene Verlaufsform konkret behandeln lässt ist Gegenstand aktueller Forschungen.

Welche Lebensmittel darf ich bei Zöliakie essen und welche nicht?

Nur weil du plötzlich kein Gluten mehr zu dir nehmen solltest bedeutet das wie anfangs oft gedacht nicht, dass du nun total in deiner Ernährung eingeschränkt bist.

Im Gegeteil, es gibt eine Vielzahl an glutenfreien Lebensmittel.

Glutenfreie Lebensmittel – Gesunde Lebensmittel ohne Gluten

Ist glutenfreie Ernährung gesund?

Fakt ist, du wirst durch den Verzicht auf Gluten nicht unter Mangelerscheinungen zu leiden haben. Das eine glutenfreie Ernährung generell gesund ist, kann jedoch auch nicht behauptet werden.

Fehlt Gluten, wird dieser Umstand bei vielen Produkten mit einem erhöhten Anteil an Fetten, Salzen und Süßungsmitteln ausgeglichen.

Beim Einkauf solltest du die Zutatenliste im Auge behalten. Greifst du zu Fertigprodukten, achte auf das „glutenfrei“-Siegel. Wie bei jeder Form der Ernährung ist auch in diesem Fall selber frisch zu kochen die bessere Lösung.

Glutenfreie Lebensmittel sind nicht automatisch gesünder. Es kann gesagt werden, dass der Verzicht auf Gluten zu einer Ernährung führt, die nicht gesünder oder schädlicher ist als herkömmliche Kost. Es kommt ganz darauf an, wie du deinen Speiseplan gestaltest und dadurch für Abwechslung sorgst.

Wie gefährlich sind Mangelerscheinungen bei Zöliakie?

Ob es zu Mangelerscheinungen kommt, ist vom Voranschreiten der Erkrankung abhängig Haben die Attacken des eigenen Immunsystems bereits massive Darmentzündungen verursacht, wird die Nährstoffaufnahme mehr und mehr behindert.

Dabei kommt es häufig zu einem Defizit an folgenden Vitaminen und Spurenelementen:

  • Vitamin A
  • Vitamin B6
  • Vitamin B12
  • Vitamin K
  • Folsäure
  • Eisen
  • Magnesium
  • Kalzium

Gefährlich wird es zum Beispiel, wenn ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure vorliegt.

Vitamin B12 Test 2019: Die besten Vitamin B12 Produkte im Vergleich

Dies kann zu einer Anämie (Blutarmut) führen. Wer vermehrt unter Muskelkrämpfen leidet, wird vermutlich zu wenig Kalzium aufnehmen. Ein Mangel an Vitamin K führt zu schweren Blutungen.

Fehlende Vitamine und Mineralstoffe können in der Regel in Form von Tabletten, Kapseln oder Pulver zugeführt werden. In besonders schweren Fällen können auch Infusionen notwendig erscheinen.

Kann ich mein Baby vor Zöliakie schützen?

Besteht bei dir eine Glutenunverträglichkeit oder gibt es bereits Krankheitsfälle in der Familie, besteht der beste Schutz für dein Kind darin, es möglichst über einen langen Zeitraum zu stillen.

Über die Muttermilch wird ein Zöliakie-Schutz aufgebaut. Dies haben Untersuchungen bestätigt. Forscher in Schweden und den USA sind zu der Erkenntnis gekommen, dass ältere Säuglinge, welche geringe Mengen an glutenhaltigen Lebensmitteln erhalten, ebenfalls einen Schutz gegen die Erkrankung aufbauen können.

Forschungsergebnissen zufolge kann das Stillen und damit verbunden besonders die Muttermilch dein KInd gegen eine Glutenunverträglichkeit stärken. (Bildquelle: pexels.com / bruce mars)

Diese Schutzfunktion tritt vermehrt bei etwa halbjährigen Kindern ein. Während diese Kinder später seltener unter einer Zöliakie leiden, steigt das Risiko, wenn bereits im dritten oder vierten Monat auf getreidehaltige Ernährung umgestiegen wurde.

Besteht bei Babys und Kleinkindern ein Krankheitsverdacht, solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen. Bleibt die Zöliakie in diesem Alter unerkannt und unbehandelt, drohen dem Kind schwere Entwicklungsschäden, hervorgerufen durch den Mangel an Vitaminen und Mineralien.

Kann ich als Erwachsener einer Zöliakie vorbeugen?

Im Erwachsenenalter kann einer Zöliakie nicht wirklich vorgebeugt werden. Ein gesunder und bewusster Lebensstil, vollwertige Ernährung, wenig Stress und ein geringer Alkoholkonsum sind sicher von Vorteil. Liegt eine genetische Veranlagung vor, lässt sich die Krankheit durch eine bewusste Lebensführung unter Umständen sogar vermeiden.

Eine Garantie durch allgemeine Vorbeugungsmaßnahmen gibt es jedoch nicht. Die einzige Möglichkeit besteht darin, komplett auf glutenhaltige Nahrungsmittel zu verzichten.

Hast du jedoch keinerlei Beschwerden und bis auch nicht genetisch vorbelastet, ergibt diese Maßnahme wenig Sinn und ist auch nicht empfehlenswert oder gar medizinisch notwendig.

Welche Studien gibt es und wie ist der aktuelle Stand der Forschung bzgl. Glutenunverträglichkeit?

Es gibt einige aktuelle Studien und Betrachtungen, welche verdeutlichen, dass die Erforschung der Krankheit gemeinhin Priorität besitzt. In einem Review wurden jüngst 40 Artikel ausgewertet, deren Veröffentlichungszeitraum zwischen den Jahren 1987 und 2017 lag.

Dabei wurde sich auf den Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Zöliakie konzentriert.

Dabei wurde eindeutig bestätigt, dass sich der Verzicht auf Gluten auch positiv auf den Kopfschmerz auswirkt. Dies lässt einen Zusammenhang erkennen. Personen die nach der Ursache wiederkehrender Kopfschmerzen suchen, sollten auf Zöliakie getestet werden.

In der Zeitschrift „Plant Foods for Human Nutrition“ wurde eine Studie zur Wertigkeit glutenfreier Lebensmittel veröffentlicht. Die Qualität glutenfreier Lebensmittel kann derer glutenhaltiger Produkte gleichgestellt werden. Untersucht wurden Kekse, Brot, Brotersatz und Frühstücks-Zerealien.

In Italien beschäftigte sich eine Studie mit dem Verzehr von Hafer bei von Zöliakie betroffenen Kindern. Die Studie lief über einen Zeitraum von 15 Monaten.

Die Doppelstudie berücksichtigte Kinder im Alter zwischen vier und vierzehn Jahren. Diese hielten seit mindestens zwei Jahren eine glutenfreie Diät ein.

Die Studienteilnehmer sollten während zwei Mal sechs Monaten glutenfreie Produkte mit oder ohne Hafer aufnehmen. Dazwischen lag ein Zeitraum von einem Vierteljahr, wo die klassische glutenfreie Ernährungsweise beibehalten wurde.

Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass die Aufnahme von nicht kontaminiertem Hafer keine negativen Auswirkungen hat und dieser von betroffenen Kindern jederzeit konsumiert werden kann.

Zahlen und Fakten zu Zöliakie

Die Häufigkeit der Zöliakie-Erkrankungen variiert zwischen den einzelnen Ländern und hängt entscheidend mit dem Anteil an Weizen in der Ernährung des jeweiligen Landes zusammen.

Im Durchschnitt vergehen vier Jahre, bis eine eindeutige Zöliakie-Diagnose gestellt wird. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sind 34 % der Betroffenen über 20 Jahre alt.

Studien kamen zu dem Ergebnis, dass bisher lediglich 3 % an Zöliakie-Diagnosen eindeutig gestellt sind. Es wird damit von einer extrem hohen Dunkelziffer ausgegangen.

Die Verbreitung von Zöliakie in ausgewählten Ländern:

  • Westsahara: 5,6 %
  • Mexiko: 1,5 bis 3,5 %
  • Türkei: 0,8 bis 2,5 %
  • Skandinavien: 2 bis 3 %
  • Indien: 1,04 bis 1,44 %
  • USA: 1 %

Weiterführende Quellen und Literatur

[1] https://www.was-ist-zoeliakie.de/

[2] https://www.netdoktor.de/krankheiten/zoeliakie/

[3] https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/zoeliakie/was-ist-zoeliakie/

[4] https://www.dzg-online.de/das-krankheitsbild.364.0.html

[5] https://www.gesundheit.de/krankheiten/magen-darm/zoeliakie/zoeliakie-sprue

Bildquelle: unsplash.com / MURUCUTU

Bewerte diesen Artikel


35 Bewertung(en), Durchschnitt: 4,97 von 5
Redaktion

Veröffentlicht von Redaktion

Die Redaktion von MEDMEISTER.de recherchiert und schreibt informative, verständlich aufbereitete Ratgebertexte zu den verschiedensten Themen- und Aufgabengebieten.