In diesem Ratgeber werfen wir einen Blick darauf, welche Möglichkeiten die sogenannte Reizstromtherapie bietet. Wir zeigen dir, worin der Unterschied zwischen EMS und TENS besteht und klären, ob die elektrische Stimulation von Muskeln wirklich beim Abnehmen hilft.

Was ist Reizstromtherapie überhaupt?

Die Elektrotherapie besitzt ein sehr breites Spektrum an Methoden und es werden verschiedene Formen des Stroms verwendet. Insgesamt gehört sie ins medizinische Feld der Neurostimulation. Oftmals werden die Methoden der Elektrotherapie auch als alternative Schmerztherapie bezeichnet. Es kommen bei der Elektrotherapie meist folgende Varianten zum Einsatz:

  • Gleichstrom
  • mittelfrequente Ströme
  • niederfrequente Ströme
  • Ultrareizstrom
  • Hochfrequenzfacetherapie
  • Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Elektrostimulation des muskulären Systems (EMS)

Die Therapie mit Elektroden findet hauptsächlich im Bereich der Schmerztherapie, hauptsächlich mit dem Ziel der Schmerzlinderung, ihre Anwendung. Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Iontophorese, welche bei Patienten mit verstärkter Schweißproduktion, der sogenannten Hyperhidrose, zum Einsatz kommt.

Die Reizstromtherapie ist eine Behandlungsmethode gegen Schmerzen aus dem Bereich der Elektrotherapie.

Was bewirkt eine Reizstromtherapie überhaupt? Wie funktioniert sie?

Das hauptsächliche Ziel der Behandlung mit Reizstrom liegt darin, eine Schmerzlinderung für den Patienten zu erreichen, beispielsweise bei Nervenschmerzen (Neuralgien) oder auch bei Durchblutungsstörungen und Sehnenscheidenentzündungen.

Neben der medizinischen Anwendung gibt es auch eine Verwendung im Bereich Erotik. Die erotische Elektrostimulation ist aber ein ganz eigener Part und soll in diesem Artikel nicht weiter behandelt werden. Weiterhin kann Reizstrom zum Trainieren von Muskelzellen eingesetzt werden.

Glühbirne

Die Reizstromtherapie wird meist bei eher niedrigen Spannungen angewendet und eine durchschnittliche Sitzungsdauer dauert zwischen 20 und 50 Minuten. (Foto: jplenio / pixabay.com)

Grundlage aller dieser Methoden ist, dass der menschliche Körper bereits auf sehr schwache Stromstöße, unter 40 Volt, extrem empfindlich reagiert und Strom leiten kann. Gute Stromleiter sind beispielsweise die Flüssigkeiten wie Urin oder Blut sowie auch die Muskulatur. Die Haare, Knochen oder Sehnen leiten hingegen eher schlecht.

Bei einer starken Schweißbildung kann es durch die erhöhte elektrische Leitfähigkeit zu Verletzungen kommen. Die Stromstöße nehmen direkten Einfluss auf die Erregungsleitung zwischen den Herzmuskelzellen.

Bei der Reizstromtherapie kommen ausschließlich niederfrequente Wechselströme oder ein Gleichstrom zum Einsatz. Diese elektrischen Impulse werden über Elektroden auf die Hautoberfläche übertragen. Dabei verwendet man in der Regel eine Frequenz zwischen 1 und 100 Hz.

Man spricht bei dieser Art der Reizstromtherapie von der Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation, oder kurz auch als TENS Reizstrom bezeichnet. Ziel der elektrischen Reizung ist es, eine Art Gegenirritation im Gehirn auszulösen, wodurch eine Schmerzlinderung stattfinden soll. Sie wird mit einem speziellen Reizstromgerät durchgeführt.

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Neben der TENS Reizstrombehandlung gibt es noch die Elektrostimulation des muskulären Systems, kurz EMS. Der Reiz wirkt bei der EMS direkt im Muskel, man spricht auch von künstlicher Aktivierung der Muskeln, da das Gehirn bei diesem Prozess nicht beteiligt ist.

Was sagt die Wissenschaft über die Therapie mit Reizstrom?

Generell lässt sich sagen, dass das Themengebiet der Reizstromtherapie wissenschaftlich gesehen sehr differenziert betrachtet wird. Es gibt viele Studien für einzelne Anwendungsgebiete, die positive Auswirkungen belegen wollen und andere, die für die Ergebnisse eher eine Art Placebo-Effekt verantwortlich sehen.

Letztlich lässt sich daher keine wirklich fundierte Aussage treffen. Chronischen Schmerzpatienten bleibt daher oft nichts anderes übrig, als einen Versuch mit der Therapie zu starten und die Ergebnisse abzuwarten.

Die Reizstromtherapie kommt bei den unterschiedlichsten Anwendungen zum Einsatz. Ihr Wirkung ist nicht unumstritten. (Foto: Thomas Kelley / unsplash.com)

Auf dem Gebiet der EMS sprechen Experten davon, dass viele Anbieter auf dem Markt schlichtweg zu viel versprechen. Fest steht, dass eine Wirkung von EMS auf das Muskelsystem vorhanden ist.

Mit Krafttraining ist dies aber nicht unbedingt zu vergleichen, da bei der EMS nur begrenzte Areale von Muskeln aktiviert werden. Die EMS eignet sich damit eher nicht, um langfristig erfolgreich abzunehmen und Muskeln aufzubauen. Sie kann sehr gut bei geschwächten Muskeln, beispielsweise nach einer Operation, ergänzend eingesetzt werden.

Wie oft und wie lange sollte die Reizstromtherapie zum Einsatz kommen?

Diese Fragen lassen sich pauschal nicht beantworten. Es kommt sehr stark darauf an, was konkret mit der EMS oder der TENS erreicht werden soll. In der Regel dauert eine Sitzung zwischen 20 und 50 Minuten. Wird die Intensität der Reizung verringert, so kann eine Sitzung auch länger dauern.

Bei der TENS-Methode kommt es stark darauf an, wie sehr sich das persönliche Empfinden nach der letzten Sitzung verschlechtert. Kehren die Schmerzen nach 3 Stunden zurück, so kann die Sitzung erneut begonnen werden.

Für chronische Schmerzen sollte die Therapie jedoch unbedingt konstant über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Viele moderne Geräte besitzen verschiedene Programme, wodurch die Art und Intensität der Reizsetzung immer wieder variiert werden kann.

Die Sitzungsdauer bei der Reizstromtherapie hängt stark von der eingesetzten Stromstärke ab. In der Regel dauert sie jedoch zwischen 20 und 50 Minuten.

Wann wurde die Reizstromtherapie erfunden?

Die Reizstromtherapie fand ihre erste wissenschaftliche Anwendung und Untersuchung bereits um 1900. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie dann immer beliebter. Die Menschen setzen die Therapie mit Reizstrom damals bei den verschiedensten Krankheiten ein. Heute ist die Anwendung wesentlich eingeschränkter.

Die Entwicklung der Geräte ist jedoch immer weiter fortgeschritten, weswegen es heute eine Vielzahl an komplexer Geräte für die unterschiedlichsten Bereiche gibt. Das Gebiet der Elektrotherapie bzw. die Neurostimulation ist ein sehr junges Forschungsgebiet in der Medizin.

Heute können elektrische Impulse nicht nur von außen an den menschlichen Körper abgegeben werden, sondern es existieren bereits verschiedene Implantate, die Nerven von innen reizen und somit chronische Schmerzen lindern können.

Fazit: Lohnt sich die Reizstromtherapie als Behandlungsmethode?

Wissenschaftlich betrachtet ist die Reizstromtherapie ein sehr häufig diskutiertes Thema. Studien sind sich jedoch einig, dass sie in einigen Anwendungsfällen definitiv Abhilfe gegen Schmerzen schaffen kann. Wesentlich umstrittener ist die Reizstromtherapie im Bereich Muskelaufbau.

Wer an chronischen Schmerzen leidet, sollte die Reizstromtherapie schlichtweg gemeinsam mit einem erfahrenen Arzt ausprobieren.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=48408
[2] http://www.t-online.de/gesundheit/abnehmen/id_55909530/was-reizstrom-wirklich-fuer-den-muskelaufbau-bringt.html
[3] https://www.welt.de/wissenschaft/gesundheitstipp-des-tages/article3100334/Reizstromtherapie-fuer-Muskeln-Gewebe-und-mehr.html

Bildquelle: unsplash.com / Patryk Grądys

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