Hast du Konzentrationsprobleme? Frustration bei der Arbeit?  Fühlst du dich ineffektiv? Das Burnout-Syndrom ist längst kein unbekannter Begriff mehr. Die Zahl der Betroffenen ist seit 1999 um 80 Prozent gestiegen.

Bereits jeder 5. Deutsche ist mittlerweile Burnout-gefährdet. Wenn auch dich deine geistige und körperliche Erschöpfung lähmt, steckst du schon in einer Stressspirale aus der du alleine nicht mehr kommst.  Denn oft wird man sich dessen erst bewusst wenn es schon zu spät ist.

Doch was genau ist Burnout eigentlich?

Der Begriff wurde in den 1970er von dem  Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger in New York geprägt. Im Laufe seiner ehrenamtlichen Arbeit stellte er bei sich und seinen Kollegen Frustration und  Zynismus fest.

Burnout ist die ultimative Erschöpfung. Sie macht kraftlos und unwillig. Aus dieser Spirale kommt man ohne professionelle Hilfe nicht mehr raus. (Quelle: Pim Chu / Unsplash)

1974 veröffentlichte er seinen ersten Artikel über das Burnout-Syndrom und beschrieb es als „einen Zustand erschöpfter physischer und mentaler Ressourcen“. Als besonders betroffen sah er Menschen, die sich in einer emotional belastenden Situation fanden.

Burnout entsteht wenn du dich in wiederholenden Stresssituationen findest ohne Erholung zu bekommen.

Der Körper beginnt sich aufgrund eines körperlichen chemischen Prozesses zu ermüden, während sich die ersten Stress-Symptome erst später zeigen. Werden die ersten Anzeichen ignoriert, so findet man sich bald am Ende seiner Kräfte.

Welche Stadien gibt es bei einem Burnout?

In dem Verlauf des Burnout haben Freudenberger und North zwölf Stadien definiert, die mit der Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse beginnen und in innerer Leere und Depression enden können:

  • Stadium 1: Der Zwang, sich selbst zu beweisen
  • Stadium 2: Extremes Leistungserstreben, Ehrgeiz
  • Stadium 3: Subtile Vernachlässigungen eigener Bedürfnisse
  • Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
  • Stadium 5: Umdeutung von Werten
  • Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme
  • Stadium 7: Rückzug
  • Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderung
  • Stadium 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
  • Stadium 10: Innere Leere
  • Stadium 11: Depression
  • Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

Deine eigenen Erfahrungen mit dem Burnout-Syndrom müssen jedoch nicht in derselben Reihenfolge verlaufen.

Was ist die Ursache vom Burnout-Syndrom?

Burnout ist eine lang anhaltende Belastung, die zur Überforderung wird. Ursachen dafür sind nicht nur im Beruf zu finden, auch wenn er oft einer der Hauptfaktoren für Stresssituationen darstellt. Hier sind die vier Faktoren, die allein oder gemeinsam zur Belastung werden können:

  • Die Arbeit: es herrscht Zeitdruck, dir mangelt es an Handlungsfreiheit oder deine Arbeit wird nicht anerkannt
  • Zu Hause: familiäre Konflikte, herausfordernde Betreuungspflichten oder finanzielle Schwierigkeiten
  • Du selbst: Du hast zu hohe Ansprüche, Schwierigkeiten dich abzugrenzen oder gönnst dir keine Ruhepausen
  • Die Gesellschaft in der du lebst: Es gibt zu hohe Leistungsanforderungen, unrealistische Rollenbilder oder die Arbeitsmarktsituation ist eine Herausforderung

Die Kombination aus langanhaltendem Stress, deine Schwierigkeit damit gut umzugehen und fehlende Erholung führt auf kurz oder lang immer zu Burnout-ähnlichen Symptomen.

Wer ist besonders Burnout gefährdet?

Davon sind oft motivierte und leistungsbereite Menschen betroffen, die sich zu sehr für ihre Aufgabe engagieren und sich in Folge lustlose und müde fühlen, ausgebrannt. Das kann Personen jedes Berufs und Stands passieren, doch trifft es drei Personengruppen überproportional häufig:

  • Menschen in sozialen Berufen: Lehrer, Erzieher, Ärzte, Pflegekräfte
  • Pflegende Angehörige
  • Personen des mittleren Managements, die sowohl die Bedürfnisse der eigenen Mitarbeiter als auch der Vorgesetzten erfüllen müssen

Aber auch Menschen mit folgenden Dispositionen sind sehr anfällig für das Burnout-Syndrom:

  • Perfektionismus
  • Helfer-Syndrom
  • Ja-Sager
  • Ehrgeiz
  • Mangelende Stressbewältigungstaktik

Burnout gilt nicht als Berufskrankheit, sondern als „Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Doch bist du aufgrund dessen arbeitsunfähig, kannst du dich trotzdem für längere Zeit krankschreiben lassen.

Erste Anzeichen und Symptome vom Burnout– wie erkenne ich sie?

Beim Burnout-Syndrom ist es wichtig, dass du erste Symptome schnell erkennst. Denn so kannst du eventuelle Spätfolgen wie Depressionen und mögliche Suizidgedanken verhindern.

So erkennst du die ersten Anzeichen und Symptome des Burnout:

  • Du verhältst dich emotional auffällig anders oder nimmst körperliche Symptome war wie Schmerzen, Schwindel, Schlafstörungen oder Müdigkeit
  • Du wirst ineffektiv in deiner Arbeit und leistest nicht so viel wie zuvor
  • Du bist erschöpft
  • Du distanzierst dich von deiner Arbeit und anderen
  • Du reagierst zynisch auf Probleme und Konflikte

Wenn du eines dieser Symptome an dir feststellst, dann ist es wichtig Entspannungstaktiken zu lernen und möglichen Stress abzubauen.

Das Burnout-Syndrom bedroht bei Vernachlässigung die geistige Gesundheit und kann auch zu vielen körperlichen Leiden führen. Es ist wichtig, dass du professionelle Hilfe suchst. (Quelle: Gabriel Matula / Unsplash)

Wie kann man Burnout heilen?

Wenn du dich bereits in der Stressspirale wiederfindest, die sich in deiner körperlichen und seelischen Erschöpfung spiegelt, dann solltest du einen Arzt deines Vertrauens aufsuchen. Denn meistens kommt man aus dieser Spirale ohne professionelle Hilfe nicht wieder heraus.

Das erwartet dich bei einem Arztbesuch für eine Burnout Diagnose:

  • Untersuchungen, um andere Krankheiten auszuschließen
  • Einbindung von Psychologen
  • Treffen der Maßnahme: Psychotherapeutische Behandlung, Stressmanagement, Medikamente etc.

Burnout ist im Unterschied zur Depression keine Behandlungs-, sondern eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose. Eine Einweisung in die Klinik ist zum Beispiel nicht möglich.

Welche Maßnahmen können zur Behandlung vom Burnout-Syndrom getroffen werden?

Nachdem die ersten Untersuchungen abgeschlossen wurden und andere Krankheiten ausgeschlossen wurden, wird eine Maßnahme getroffen. Je nachdem wodurch die Belastung zu Burnout entstand und weshalb du in die Spirale geraten bist, stehen folgende Maßnahmen zur Auswahl:

Anpassung des sozialen Umfelds bzw. der Arbeitssituation:

Gemeinsam mit dem Therapeuten suchst du nach Möglichkeiten die Probleme am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld zu bewältigen.

Psychotherapie:

Es geht darum, dass du in deiner Entwicklung gefördert wirst auf der Suche nach einer Problemlösung oder Veränderung.

Gesundheitspsychologische Beratung:

Das Ziel ist es, dir Wissen zu richtigem Verhalten und zur Gesundheitsförderung zu vermitteln. Auch Bewältigungsstrategien können individuell erarbeitet werden.

Stress- und Zeitmanagement:

Ganz ohne Stress geht es oft im Alltag nicht, doch ein gutes Zeitmanagement erleichtert dir den Umgang mit stressbehaften Situationen.

Entspannung und körperliche Aktivität: Das Erlernen einer Entspannungstechnik, die du in den Alltag einbauen kannst.

Eventuelle Behandlung von Begleiterkrankungen

Besondere Bedeutung kommt nach einem Burnout außerdem der Integration in die Arbeitswelt zu, bei der es oftmals notwendig ist, andere Arbeitszeitmodelle zu finden.

Was du selbst bei Burnout tun kannst

Versuche folgende Punkte in deinen Alltag einzubauen, um mehr Entspannung und Ruhe zu finden:

  • Suche die Entspannung im Alltag
  • Gönn dir einen Power Nap (aber nur 20 Minuten!)
  • Nimm dir Pausen für eine Erfrischung
  • Sorge dafür, dass du nachts erholsam schläfst
  • Nimm dir ganz bewusst Zeit, um nur einmal eine Tasse Tee zu trinken (Achtsamkeitstechniken)
  • Verbringe Zeit mit Menschen, die du gern hast
  • Erlaube es dir auch einmal absichtslos Nichtszutun
  • Und absolut kein Multitasking – das ruiniert jede Ruhe und schneller ist man dadurch auch nicht

Stressbewältigung am Arbeitsplatz

Der Wiedereinstieg in den Beruf ist nicht leicht und kann nur mit guten Ansätzen im Zeitmanagement, regelmäßigen Ruhepausen und sozialem Rückhalt bewältigt werden. Leider reagiert das Arbeitsumfeld nicht immer nur positiv au die neuen Veränderungen. Da liegt es dann an dir Freiräume einzufordern.

Denn um eine weitere Erschöpfung zu umgehen, solltest du die nötige Anerkennung erhalten, Mitspracherecht finden, die Möglichkeit haben deine Fähigkeiten zu entwickeln und interessante Tätigkeiten bekommen.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Der Arbeitgeber hat eine gesetzliche Fürsorgepflicht und ist dazu verpflichtet dir ein gutes Unterstützungsangebot zu machen sowie psychische Belastungen des Arbeitsplatzes abzubauen.

Gönn dir einmal eine Pause, Zeit um tief durchzuatmen. Nur so kannst du Balance in deinem Leben finden und dem gestressten Alltag entgehen. (Quelle: Nicole Harrington / Unsplash)

Burnout Prävention

Leider gibt es keine allgemeingültige Formel, die dir ein Burnout-freies Leben sichert. Der beste Rat ist, alte Gewohnheiten zu verändern und mit neuen, gesünderen zu ersetzen. Das kann ungefähr so aussehen:

  • Die richtigen Prioritäten setzen
  • Dir Zeit für dich selbst nehmen
  • Nein zu sagen lernen
  • Deine hohen Erwartungen auf ein realistisches Level senken
  • Gesunde Ernährung und Bewegung
  • Auf deinen Körper hören und Auffälligkeiten wahrnehmen
  • Lieber zu früh zum Arzt gehen als zu spät
  • Konflikte aussprechen
  • Perfektionismus ist nicht alles
  • Gelegentlicher Selbstlob ist erlaubt

Fazit: Burnout verändert dein Leben

Hast du vor dem Burnout noch mehr als der durchschnittliche Mensch geschafft so legt das Burnout alles lahm. Alle sind produktiver als du, während dein Körper alle Notbremsen zieht.

Das Burnout belastet den Körper, den Geist und die Seele und um deinen Weg aus der Stressspirale zu finden bedarf es einer radikalen Veränderung deines Alltags. Du wirst nicht mehr dieselbe Person sein, die du vor dem Burnout warst, doch das willst du auch nicht mehr.

Denn Momente der emotionalen Erschöpfung offenbaren dir, worauf es wirklich ankommt: die Fähigkeit dein Leben in vollen Zügen zu genießen.

Bewerte diesen Artikel


20 Bewertung(en), Durchschnitt: 4,00 von 5
Redaktion

Veröffentlicht von Redaktion

Die Redaktion von MEDMEISTER.de recherchiert und schreibt informative, verständlich aufbereitete Ratgebertexte zu den verschiedensten Themen- und Aufgabengebieten.